60 Jahre ESF: Erfahrungen aus der Praxis – Perspektiven für die Zukunft

Konferenz auf Malta mit Staatsrat Jan Pörksen

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60 Jahre ESF: Erfahrungen aus der Praxis – Perspektiven für die Zukunft

Im Rahmen der Konferenz „European Social Fund: past, present and future“ diskutierten am 23. und 24. März 2017 politische Entscheidungsträger und Experten aus der Praxis über aktuelle Erfahrungen aus der Arbeit mit dem ESF, über seinen Mehrwert für die einzelnen Regionen sowie seine Bedeutung für europäische Herausforderungen. Ziel des Austauschs zwischen den Teilnehmenden aus ganz Europa war es, Grundlagen für eine effektive und effiziente Ausrichtung des Europäischen Sozialfonds zu schaffen und künftigen Entwicklungen etwa demografischer oder technologischer Art begegnen zu können. Die Konferenz auf Malta wurde gemeinsam von der Europäischen Kommission und der Regierung des Inselstaates, die im ersten Halbjahr 2017 die Präsidentschaft des Europäischen Rates innehat, durchgeführt.
 
Als Teilnehmer an der Plenumsrunde „Setting the scene: the added value of the ESF“ erläuterte Jan Pörksen, Staatsrat der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, die Wirkung und Bedeutung des ESF für die Hansestadt Hamburg und ihre Menschen. Exemplarisch stellte er vier zentrale Bereiche des ESF-Engagements vor, um den Mehrwert der Förderung zu illustrieren.
 
Für junge Menschen am Übergang von der Schule in den Beruf, so der Staatsrat, sei die Hamburger Jugendberufsagentur als zentrale Anlaufstelle im Regelsystem geschaffen worden: Kooperierende ESF-Projekte könnten aufgrund ihres flexiblen und individuellen Vorgehens Jugendliche auch in schwierigen Lebenssituationen erreichen, um sie in die Betreuung durch die Jugendberufsagentur zu integrieren und so zu verhindern, dass „junge Menschen verloren gingen“. Ein Viertel der Mittel aus dem ESF-Programm 2014-2020 der Hansestadt  flössen in Projekte, die Instrumente der Arbeitsmarktpolitik und der Jugendhilfe kombinierten und so die Jugendberufsagentur unterstützten, erläuterte Pörksen.

Positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt habe angesichts des Bedarfs an Fachkräften auch der Zuzug qualifizierter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem europäischen Ausland. Mit dem ESF-Projekt Servicestelle Arbeitnehmerfreizügigkeit, das EU-Bürgern Beratung und praktische Unterstützung in arbeitsrechtlichen Fragen anbiete, stärke die Hansestadt den Grundsatz "gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort", und nutze gezielt den Europäischen Sozialfonds zur Bekämpfung der missbräuchlichen Nutzung dieser zentralen europäischen Grundfreiheit. Um dem Fachkräftemangel entgegen zu treten, so berichtete der Hamburger Staatsrat den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Konferenz, investiere Hamburg auch unter Rückgriff auf den ESF in eine umfassende Willkommenskultur. Das ESF-finanzierte Projekt Make it in Hamburg unterstütze qualifizierte Experten aus aller Welt und ihre Familien bei der Integration und wende sich zudem an Unternehmen, die Fachkräfte suchten. Durch seine bedarfsorientierte Arbeit leiste das ESF-Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Fachkräftestrategie des Senats der Hansestadt.

Die Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt ist ebenfalls eine wichtige Säule dieser Hamburger Strategie. Ansätze wie jene von ProExzellenzia, einem ESF-Projekt, das hochqualifizierten Frauen auf dem Karriereweg zur Seite steht, oder Worklife, das die Umwandlung geringfügiger in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen unterstützt, zeigten auch in diesem Bereich den Mehrwert, den die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten des ESF brächten.

Der Europäische Sozialfonds, so Pörksen abschließend, eröffne sehr flexible und bedarfsorientierte, regional ausgerichtete Handlungsspielräume. Die vielfach beklagte bürokratische Komplexität des ESF sei zum einen auch ein hausgemachtes Problem in den Mitgliedstaaten und lasse sich durch effiziente Verfahren vor Ort deutlich reduzieren. Mit Blick auf die Förderperiode ab 2021 plädierte er für ein weitere thematische Konzentration und eine konsequente Vereinfachung der Verfahren.