Fachtagung „Fachkraft Flüchtling!?“

Fachtagung „Fachkraft Flüchtling!?“

Fachtagung „Fachkraft Flüchtling!?“

In der Fachtagung „Fachkraft Flüchtling!?“, die vom DGB Hamburg in Zusammenarbeit mit Arbeit und Leben Hamburg und dem Hamburger Fachkräftenetzwerk organisiert wurde, ging es am 1. Dezember 2015 um die Möglichkeiten und Herausforderungen der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt der Hansestadt. Angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation eine wichtige Aufgabe für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die BASFI fördert die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen unter anderem mit dem neuen Projekt „Work and Integration for Refugees (W.I.R)“, das im Rahmen der Fachtagung vorgestellt wurde.

Kooperation im Fokus

Als ein Angebot zur Bündelung von Aktivitäten bezeichnete Katja Karger, Vorsitzende des DGB Hamburg, die Fachtagung, an der etwa 120 Gäste, darunter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Personal- und Betriebsräten, von Trägern und aus Projekten, teilnahmen. Sie forderte, dass eine Abweichung von bereits erreichten Standards keine Antwort auf den kurzfristigen und hohen Bedarf an Arbeitsplätzen sein dürfe. Schmalspurausbildungen oder geringe Löhne würden die Integration nicht fördern, sondern schwächen. Ziel aller Maßnahmen, so Karger, müsse es sein, gut ausgebildete Fachkräfte in Arbeit zu bringen, aber auch das Potential der geringer Qualifizierten zu entwickeln.

Arbeiten – wer darf?

Welche rechtlichen Grundlagen den Rahmen für die berufliche Integration der Flüchtlinge bilden, erläuterte Franziska Voges vom ESF-Projekt „Chancen am FLUCHTort Hamburg“. Sie stellte die Möglichkeiten zur Aufnahme einer Arbeit oder Ausbildung abhängig vom Aufenthaltsstatus der Schutzsuchenden dar, erläuterte Chancen und Einschränkungen und zeigte auf, welche Verbesserungen in jüngster Vergangenheit erzielt werden konnten.
Als eines der ersten Länder habe Hamburg mit dem 2013 in Kraft getretenen Hamburger Integrationskonzept für Menschen mit Migrationshintergrund auch konkret die Zielgruppe der Flüchtlinge mit längerer Bleibeperspektive angesprochen, erläuterte Amtsleiterin Petra Lotzkat von der Sozialbehörde. Um ihnen die Teilhabe an wichtigen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu ermöglichen, sei der Spracherwerb ein wichtiger Schlüssel: Nachdem der Bund bisher ausschließlich Asylberechtigte gefördert habe, könnten inzwischen auch Menschen mit dem aktuellen Status Duldung im Rahmen einer Kann-Regelung an den Sprachkursen teilnehmen.

Vielfältige Kompetenzen

Gesine Keßler-Mohr von der Handwerkskammer Hamburg stellte Maßnahmen zur Erfassung der vorhandenen Kompetenzen von Flüchtlingen vor. Neben der Qualifikationsanalyse, durch die auch bei fehlenden Dokumenten anhand von Arbeitsproben und Fachgesprächen in individuellen Verfahren Fähigkeiten und Fertigkeiten des Einzelnen ermittelt werden, bietet die Handwerkskammer im Rahmen des Projektes „Mission Zukunft“, an dem auch das ESF-Projekt „INa“ beteiligt ist, auch fachspezifische Aktionswochen zu den Schwerpunkten Metall und Elektro, Pflege und Gesundheit sowie Energie und Umwelt an, um Fachkräfte für das Handwerk zu gewinnen.

Die Menschen, die nach einer Flucht nach Hamburg kämen, seien in der Regel zunächst mit den Themen Wohnen, Familie, Gesundheit und Sprache beschäftigt, erst dann stehe die berufliche Orientierung auf dem Plan, erläuterte Michaela Bagger, Vize Chefin der Agentur für Arbeit. Ziel sei es, sie aktiv in das System zu holen und mit einem breiten Programm zu antworten, um die berufliche Integration voranzutreiben.

Dies ist auch die Kernaufgabe der neuen Anlaufstelle Work and Integration for Refugees (W.I.R) zur Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration für Flüchtlinge. Birte Steller von der BASFI stellte das Projekt vor, an dem sich verschiedene Akteure – darunter neben der Behörde mehrere Projektträger, die Agentur für Arbeit, die Handwerkskammer und Jobcenter team.arbeit.hamburg – beteiligen. Um langfristig erfolgreich zu sein, müssten Arbeit und Qualifikationsangebote zu der jeweiligen Person passen, betonte sie, und schilderte die individuelle Herangehensweise der Beratungsmaßnahmen, die durch W.I.R entwickelt und neu aufgesetzt würden.

Andrea Niethammer vom Flüchtlingszentrum Hamburg stellte eindrücklich die schwierige Ausgangslage vieler Flüchtlinge dar, die – häufig durch Erlebnisse im Heimatland und während der Flucht traumatisiert – in Deutschland mit einer völlig veränderten Lebenssituation und zahlreichen Herausforderungen konfrontiert würden. Integration, so betonte sie, sei eine beidseitige Angelegenheit, und rief dazu auf, diese auch im beruflichen Alltag im Kollegium zu unterstützen. Einen Perspektivwechsel zu einem potentialbasierten Ansatz, weg von möglichen Defiziten, forderte Elvisa Kantarević von der Fachstelle Migration und Vielfalt (Arbeit und Leben Hamburg). Aus der Praxis berichteten in einer abschließenden Gesprächsrunde auch Vertreter aus Betrieben, Gewerkschaften und der schulischen Ausbildung und lenkten damit den Blick auf den gelebten Alltag beruflicher Integration von Flüchtlingen.