Ausbildungsabschluss mit ADHS gemeistert
In „Meine Chancen in Hamburg“ stellen sich ehemalige Teilnehmende aus den aktuellen Hamburger ESF-Projekten vor.
Noah-Miguel K., 21 Jahre alt, bereitet als Jungkoch täglich bis zu 3.000 Mahlzeiten für Bildungseinrichtungen in einer Großküche zu. Seine Ausbildung machte ihm viel Spaß, stellte ihn aber aufgrund seiner Aufmerksamkeitsstörung vor besondere Herausforderungen. Im Rahmen des Projekts „Berufliche Bildung: dual & inklusiv“ hatte er das Glück, dass der Inklusionsbeauftragte der Beruflichen Schule für Hotellerie, Gastronomie und Lebensmittelhandwerk (BS 03) sowohl Noah-Miguels Stärken als auch seinen Unterstützungsbedarf erkannte. Er erhielt ein individuelles Unterstützungsangebot und wurde im Betrieb und auch an der Schule gezielt gefördert und erfolgreich zur Abschlussprüfung begleitet. Wir durften ihn dazu interviewen.
1. Wie sind Sie zu dem ESF Plus Projekt gekommen?
Im Rahmen meiner zunächst begonnenen Ausbildung zur Fachkraft in der Gastronomie kam ich an die BS 03. Hier gibt es Mitarbeitende, Inklusionsbeauftragte, die speziell darauf achten, ob Schülerinnen und Schüler besondere Herausforderungen beim Lernen haben. Einer meiner Lehrkräfte hat mir dann aufgrund meines ADHS ans Herz gelegt, ein Gespräch mit dem Inklusionsbeauftragten zu führen. Dieser hat mir gezielte Möglichkeiten zur Unterstützung während der Ausbildung aufgezeigt. Das Gespräch ergab, dass eine individuelle Begleitung für mich am besten geeignet ist. Hierfür habe ich einen Antrag gestellt und konnte am Projekt „Berufliche Bildung: dual & inklusiv“ teilnehmen.
Ich habe dann zur Ausbildung als Koch gewechselt und in einem anderen Betrieb begonnen, die berufsbildende Schule, die individuelle Begleitung sowie die Teilnahme am Projekt „Berufliche Bildung: „dual & inklusiv“ blieben bestehen.
2. Was haben Sie im Projekt gelernt?
Ein Teil meiner ersten Ausbildung wurde anerkannt. Da ich im zweiten Jahr einstieg, hatte ich einige Schwierigkeiten mitzukommen. Mir fehlten die Struktur und einige Fachbegriffe, die bei der Fachkraft Gastronomie nicht so stark vertieft werden wie beim Kochen. Das machte es zusätzlich schwerer. Mein Ansprechpartner hat mich im Unterricht individuell unterstützt. Er hat mich auch im Betrieb besucht, in dem ein sehr rücksichtsvoller Umgang herrschte. Dort wurde darauf geachtet, wie man für mich die Arbeit so gestalten kann, dass ich möglichst gut und eigenständig klarkomme. Im fachpraktischen Unterricht haben wir trainiert, den Arbeitsplatz gut instand zu halten, Rezepte ebenso wie Abläufe gut zu strukturieren und abzuarbeiten. Durch die Hilfe habe ich gelernt, mir auch im Betrieb eine Struktur zu schaffen, den Fokus zu behalten und Ablenkung zu vermeiden.
3. Was haben Sie seither umgesetzt?
Neben den verbesserten Strukturen und dem besseren Fokussieren bin ich insgesamt ruhiger geworden, insbesondere auch im Betrieb. Ich lasse andere zu Wort kommen und versuche, immer häufiger meine Hilfe bei anderen Aufgaben anzubieten und dort mitzukochen, um mich selbst ein wenig herauszufordern. Wenn du nicht aus deiner Komfortzone herausgehst, kannst du nicht besser werden. Ich habe außerdem gelernt, den Mut zu finden, mir selbst und anderen zu sagen: Ich habe diese Probleme und ich brauche manchmal jemanden, der mich unterstützt.
4. Was machen Sie jetzt?
Im Dezember 2024 und Anfang 2025 fand meine Abschlussprüfung statt. Nun habe ich eine unbefristete Vollzeitstelle als Jungkoch. Mein Unternehmen findet es positiv, dass ich meine Probleme im Blick habe und unterstützt mich!
5. Was hat Ihnen am meisten gefallen?
Es war wirklich gut, dass ich an der berufsbildenden Schule eine individuelle Beratung bekommen habe und jemand da war, der die Zeit hatte, gezielt und individuell auf mich eingegangen ist und mich unterstützt hat. Und, dass man auch wegen des Betriebswechsels und bei anderen Problemen einfach vorbeikommen oder eine Mail schreiben konnte. Woanders bekommt man so schwer einen Termin, und hier hat man immer Hilfe und Unterstützung erhalten!
6. Was wünschen Sie sich für die berufliche Zukunft?
Perfekt strukturiert zu arbeiten! Ja, dass ich weiter an mir arbeite, um meine eigenen Ziele zu erreichen, auch wenn sie manchmal unerreichbar scheinen. Man muss dem Prozess einfach vertrauen, irgendwie wird es ja schon, und manchmal sieht man nur selbst den Fortschritt nicht.
Vielen Dank für das Interview!
Auch das Folgeprojekt „dual & inklusiv“ hat das Ziel, junge Erwachsene mit Beeinträchtigungen oder besonderem Unterstützungsbedarf beim Übergang von der Schule in die Ausbildung und Beschäftigung zu unterstützen und stärkt damit Chancengleichheit, Teilhabe und Fachkräftesicherung.
Weitere Informationen zum Projekt „dual & inklusiv“ finden Sie auf der ESF-Webseite, siehe „dual & inklusiv | Projekt“.