Mohamed: "Ich habe den Wunsch, in der Pflege zu arbeiten."

In „Meine Chancen in Hamburg“ stellen sich ehemalige Teilnehmende aus den aktuellen Hamburger ESF-Projekten vor.​​​​​​​ 

Mohamed: "Ich habe den Wunsch, in der Pflege zu arbeiten."

Früher war er Agraringenieur, fest angestellt als Beamter, bis er vor viereinhalb Jahren als Geflüchteter aus dem Irak nach Hamburg kam. Hier baut sich der 48-jährige Mohamed mit Unterstützung des ESF-Projekts „Pflegeberufe als Chance – Qualifizierung für Geflüchtete“ und mit viel Eigeninitiative eine neue berufliche Zukunft in der Pflege auf.

Wie ich zu dem Projekt gekommen bin ...

Nach dem sechsmonatigen Integrationskurs habe ich verschiedene weitere Deutschkurse besucht, die zum Beispiel über eine Kirche und ein Café angeboten wurden, und mich freiwillig in einem Verein engagiert. Ich habe meinen Bachelor für Agrarwissenschaften anerkennen lassen, ich habe Praktika in der Logistik und im Gartenbau absolviert. Aber ich glaube, ich bin richtig gut, wenn ich mit Menschen arbeite. Daher entstand mein Wunsch, in der Pflege zu arbeiten. Ich habe dann an der Aktionswoche „Mission Zukunft“ teilgenommen (Anm. der Red.: Die Aktionswochen des Projekts „Mission Zukunft“ geben Geflüchteten mit Berufserfahrung praktische Einblicke in verschiedene Berufsfelder). Dort bin ich auf das Projekt „Pflegeberufe als Chance“ aufmerksam geworden. Auch im Programm W.I.R. war es mir zuvor bereits empfohlen worden. Nach unserem ersten Termin haben Petra Al-Damrawy und ihre Kolleginnen vom Projekt mich dabei unterstützt, schnell einen Praktikumsplatz in der Pflege zu finden.

Was ich im Projekt gelernt habe ...

Wir haben uns zunächst als Vorbereitung auf das Praktikum mit der Grundpflege befasst und die verschiedenen Themen, wie etwa Hygiene, praktisch und theoretisch behandelt. Und wir haben einige Ausflüge gemacht, die uns das Thema nähergebracht haben. Zu „Dialog im Dunkeln“ zum Beispiel und zu einer Ausstellung des Vereins „Barrierefrei leben e.V.“, in der man sich über Hilfsmittel aller Art informieren und sie in der Praxis testen kann. Ich habe durch das Projekt viel erfahren über das Ausbildungsrecht und die Sozialversicherung und habe Unterstützung von der Ausländerbehörde bekommen. Die erste Praktikumseinrichtung, ein Seniorenheim in St. Pauli, hatte mir einen Ausbildungsplatz im Anschluss an mein Praktikum zugesagt. Aufgrund eines Fehlers in der Verwaltung kam zum Ende meines Praktikums dann die Absage, da bereits alle Plätze vergeben seien. Das Team von maxQ., dem Träger des ESF-Projekts, hat mich dabei unterstützt, schnell einen neuen Praktikumsplatz zu finden. Dort wurde ich dann auch in die Ausbildung übernommen. Der überbetriebliche Schulunterricht findet bei maxQ. statt.

Was ich geändert habe ...

Das Projekt hat mich vorbereitet und bei der Suche nach einem Praktikumsplatz, auch beim zweiten Mal, unterstützt. Dadurch habe ich nun die Perspektive, die staatlich anerkannte Ausbildung zum Gesundheits- und Pflegeassistenten abzuschließen und mich anschließend weiter zu qualifizieren. Ich habe bereits viel gelernt, aber nicht alles davon kann ich in die Praxis umsetzen. Der Alltag in Pflegeeinrichtungen verläuft nicht so, wie wir es in der Schule lernen. Aber Petra Al-Damrawy, meine Ansprechpartnerin im Projekt, sagt, ich könne zukünftig vielleicht etwas verbessern. Für das was ich hier in der Elbschloßresidenz gelernt habe, möchte ich den leitenden Mitarbeiterinnen und den Mitarbeitern des Wohnbereichs 2 meinen Dank aussprechen.

Was ich jetzt mache ...

Nachdem ich das Praktikum in der neuen Einrichtung absolviert hatte, bin ich nun seit August 2019 dort in der Ausbildung.

Was mir am meisten gefallen hat ...

Die Unterstützung von Petra Al-Damrawy, Monika Proske-Ley und Sahar Bille von maxQ. Die Tatsache, dass immer jemand für mich da ist. Deutschunterricht gibt es überall, aber das Team hier ist sehr engagiert und motivierend. Das sagen viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer hier.

Was ich mir für meine berufliche Zukunft wünsche ...

Fachkraft zu werden ist der erste Wunsch, das ist das Beste. Die Fachsprache wird eine Herausforderung, aber das zu schaffen ist mein Ziel. Dann kann ich auch alles andere schaffen, eine Wohnung finden zum Beispiel. Ich habe lange in einem Container gewohnt und bin nun in einer Unterkunft, aber eine eigene Wohnung mit meiner Freundin zu haben wäre schön.