Rückblick: ESF im Dialog 2011
Es sind viele Hürden, die Hamburgerinnen und Hamburgern mit Migrationshintergrund auf dem Weg zu einer reibungslosen Integration in das Erwerbsleben begegnen: sprachliche Barrieren, geringe Kenntnisse über berufliche Möglichkeiten in Deutschland, unzureichende Qualifikationen oder nicht anerkannte Bildungs- und Berufsabschlüsse aus dem Ausland. In manchen Fällen sind es aber auch fehlende Orientierungshilfen für Zuwanderer sowie Vorbehalte von Unternehmen. Daher überrascht es nicht, dass rund 250 Gäste am 22. September den Weg in die Altonaer Fabrik fanden, um sich beim dritten „ESF im Dialog“ zu informieren, wie das Motto „Erfolgreiche Integration – Europa fördert Talente und sichert Fachkräfte!“ mit Leben gefüllt werden kann. Dass der Europäische Sozialfonds ESF Hamburger Bürgerinnen und Bürgern mit ausländischen Wurzeln durch vielfältige Angebote bessere Chancen auf dem Hamburger Arbeitsmarkt ermöglicht, war dabei ein zentrales Ergebnis der Veranstaltung.
Die Bilder des Abends (Fabrik Hamburg vom 22. September)
Die Themenstände
An den drei Themenständen „Ausbildung“, „Qualifizierung und Weiterbildung“ und „Anerkennung ausländischer Abschlüsse“ stellten sich acht ESF-Projekte vor:
- BQM – Beratung Qualifizierung Migration
- MIAH – Mehr Integration durch Ausbildung im Handwerk
- Direkt-MiMi- Mitarbeiterqualifizierung für Migrantinnen und Migranten
- Zentrale Anlaufstelle Anerkennung
- MIA- Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege
Hier erfuhren die Besucher von den Mitarbeitern, was die Projekte bisher erreicht haben: Schon mehr als 20.000 Migrantinnen und Migranten in Hamburg haben – durch Beratungs-, Qualifzierungs- und/oder Vermittlungsangeboten – seit 2008 von den vielen Angeboten des Europäischen Sozialfonds profitiert.
Die Grußworte
Manuela Geleng, Referatsleiterin beim ESF in Brüssel, betonte in ihrem Grußwort, dass es angesichts der Herausforderungen auf europäischer Ebene einer der wichtigsten Punkte sei, Menschen mit Migrationshintergrund zu integrieren und keine Talente brachliegen zu lassen. Dr. Vera Birtsch, Leiterin des Amtes für Arbeit und Integration in der BASFI hob hervor, dass Hamburg bei der beratenden Unterstützung zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse bundesweit Vorreiter sei. Und im Hamburger Handwerk, so Gesine Kessler-Mohr von der Handwerkskammer Hamburg, dem größten Arbeitgeber der Stadt, werde bereits rund 30 % der Betriebe von Inhabern mit Migrationshintergrund geführt.
Die Podiumsrunde
Nach den Grußworten eröffnete NDR-Moderatorin Julia-Niharika Sen die Talkrunde. In der knapp einstündigen Diskussion beleuchteten fünf Fachleute das Thema Integration aus verschiedenen Blickwinkeln:
- Dr. Vera Birtsch, Leiterin des Amtes für Arbeit und Integration in der BASFI
- Michael Gwosdz, Leiter des ESF-Projektes Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (ZAA)
- Jörg Milla, Ausbildungsleiter der Still GmbH
- Rainer Schulz, Geschäftsführer des Hamburger Instituts für berufliche Bildung (HIBB)
- Canan Yildirim, Mitarbeiterin bei Arbeit und Leben DGB/VHS e.V., der die Beratungsstelle Migration betreibt.
Diskutiert wurde, wo besonderer Handlungsbedarf vorliegt, um Menschen mit Migrationshintergrund zu integrieren Dabei war sich die Runde einig, dass einerseits eine „Willkommenskultur“ geschaffen werden müsse, andererseits die Förderung und Qualifizierung aller Potentiale Schlüssel zur erfolgreichen Integration seien. Ansätze wären eine frühzeitige berufliche Orientierung, vielfältige Angebote zur Qualifizierung und neue Modelle zur Anschlussqualifizierung. Wichtig sei, dass sich die innere Haltung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund öffne. Insbesondere die Einstellungspraxis von Unternehmen müsse flexibler werden. Dr. Vera Birtsch appellierte daran, die Potentiale der Hamburgerinnen und Hamburger mit Migrationshintergrund zu erkennen. Rainer Schulz bewertete den Dialog abschließend sehr positiv: „Ich freue mich, dass durch die Notwendigkeit dem Fachkräftemangel zu begegnen, endlich das Thema Integration auf die Tagesordnung kommt!“
Standpunkt und Wünsche der Podiumsredner
Dr. Vera Birtsch: „Mit dem neuen ESF-Projekt „AV-dual“ wird das Übergangssystem von der Schule in die Ausbildung reformiert. Das Vorhaben wird zunächst vom ESF unterstützt und später in eine Regelförderung überführt. Damit möchten wir alle Jugendlichen frühzeitig und umfassend erreichen.“
Rainer Schulz: „Die frühberufliche Orientierung von Jugendlichen ist sehr wichtig. Dabei brauchen wir ein Unterstützungssystem für jeden, der sich bewirbt.“
Jörg Milla: „Unternehmen brauchen nicht immer die besten Bewerber, sondern es geht um die Passgenauigkeit für die jeweilige Anforderung. Für Interkulturelle Einstellungsverfahren bietet der Leitfaden von BQM eine gute Hilfe.“
Michael Gwosdz: „Wir brauchen einen Wandel: weg von dem defizitorientierten Blick; wir müssen erkennen, dass Menschen mit einem ausländischen Abschluss Potentiale mitbringen!“
Canan Yildirim: „Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, um die Integration zu fördern! Den Migrantenorganisationen steht hier eine große Aufgabe zu, den Migranten die Möglichkeit zu schaffen, aktiv am Interaktionsprozess teilzunehmen.“
Die Medienresonanz
Zum dritten „ESF im Dialog“ gab es bereits viele Veröffentlichungen in deutsch- und türkischsprachigen Medien. Einige Auszüge:
22.9.2011 www.hamburg.de
… „Hamburgerinnen und Hamburger mit Migrationshintergrund können noch
besser in das Erwerbsleben integriert werden, wenn ihre im Ausland erworbenen
Abschlüsse in Deutschland anerkannt werden“, fordert Detlef Scheele, Senator für
Arbeit, Soziales, Familie und Integration. Dabei könne der Europäische
Sozialfonds ESF als wichtiges arbeitsmarktpolitisches Instrument in Hamburg einen
wesentlichen Beitrag leisten…
23.9.2011 Die WELT
…Der für Integration zuständige Hamburger Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) fordert eine Anerkennung von im Ausland erworbenen Ausbildungsabschlüssen…
24.9.2011 TIDE-Hörfunk 96,0 (Audiobeitrag)
…Erfolgreiche Integration - Europa fördert Talente und sichert Fachkräfte – unter diesem Motto hat der Europäische Sozialfonds am vergangenen Donnerstag zum Dialog in die Fabrik eingeladen. Dort diskutierten Experten über den wachsenden Bedarf an Fachkräften, Ausbildungsmöglichkeiten und Integration…
26. 9. 2011 NDR-Info
…Ausländische Fachkräfte – herzlich willkommen? (Audiobeitrag)
Die Anerkennung ausländischer Qualifikationen erfolgt nach strengen Kriterien und verläuft oft in undurchschaubaren bürokratischen Bahnen. Künftig soll es aber eine neue "Willkommenskultur" geben, die Anerkennungspraxis soll einfacher und nachvollziehbarer werden. Das würde vielen ausländischen Arbeitskräften das Leben erleichtern, käme aber auch deutschen Firmen zugute…
In Kürze folgt der „ESF-Report extra“ zur ausführlichen Nachberichterstattung des „ESF im Dialog 2011“.
