„Meine Chancen in Hamburg“

In „Meine Chancen in Hamburg“ stellen sich ehemalige Teilnehmende aus den aktuellen Hamburger ESF-Projekten vor.

„Meine Chancen in Hamburg“

Siyad, 22 Jahre aus Mogadischu (Somalia) ist vom Träger Veddel aktiv e.V., einem Träger von "Jugend Aktiv Plus" bei der sozialen und beruflichen Integration unterstützt worden.

Wie ich zu dem Projekt gekommen bin
In der Wohnunterkunft auf der Veddel habe ich 2013 zufällig Michael Reich von Veddel aktiv kennengelernt. Mir ging es damals ziemlich schlecht. Ich war sehr einsam, konnte kein Deutsch, hatte keine Kontakte. Mit meinem Mitbewohner kam ich nicht so gut klar, da dieser abends eher Musik hören wollte und ich wollte eher noch lernen oder meine Ruhe haben.
Ich bin 2008 - im Alter von 14 Jahren - aus Somalia geflüchtet und über verschiedene Länder – Kenia, Sudan und Libyen, in denen ich teilweise auf der Straße gelebt habe und manchmal gearbeitet habe, nach Tunesien in ein Flüchtlingslager gekommen. Von dort bin ich über das Resettlement-Programm schließlich 2012 nach Deutschland gekommen.

Was ich im Projekt gelernt habe
Michael hat mich seit Mai 2013 sehr unterstützt bei der Suche nach Kontaktmöglichkeiten. So haben wir beispielsweise einen Fußballverein gesucht. Er hat dafür gesorgt, dass ich Sprachkurse machen konnte. Ich konnte anfangs nur englisch sprechen und musste unter anderem erst die deutsche Zeiteinteilung lernen, um zu wissen, wann wir unseren nächsten Termin haben, dass zum Beispiel 14.30 Uhr am Nachmittag ist. Bis dahin kannte ich nur die englische Zeiteinteilung von „am“ und „pm“. Über Michael habe ich dann bald einen Praktikumsplatz in einer Kindertagesstätte in Altona bekommen. Dort habe ich erst 2 Wochen in der Küche und anschließend 2 Wochen in der Kindergruppe gearbeitet. Das war sehr gut, weil ich mit den kleinen Kindern gut Deutsch lernen konnte. Danach habe ich noch einen Sprach- und einen Computerkurs bei VERIKOM und weitere Sprachkurse gemacht. 

Was ich geändert/ umgesetzt habe
Ich habe mit Michael verschiedene Angebote ausprobieren können, Sprachkurse, Computerkurs und anderes. Ich habe meinen PKW-Führerschein und einen Gabelstaplerschein gemacht. Bei der AIDS Hilfe habe ich mich zum Peer Researcher ausbilden lassen und dort auch ehrenamtlich gearbeitet. 1 x pro Woche habe ich das Angebot „Dialog in Deutsch“ der Hamburger Bücherhallen besucht, bei dem sich Menschen aus allen möglichen Ländern zum Deutschsprechen treffen. 2014/15 habe ich versucht, meinen Hauptschulabschluss zu machen, aber nach einem halben Jahr musste ich die Schule abbrechen, weil die Lehrer meinten, dass ich noch zu schlecht Deutsch spreche. Inzwischen habe ich Deutsch bis zum B2 Niveau gelernt, aber für den Hauptschulabschluss oder eine Ausbildung reicht es vielleicht noch nicht.

Was ich jetzt mache
Ich arbeite seit fast einem halben Jahr bei Zara-Moden in der Mönckebergstraße im Logistikbereich in Vollzeit. Dort habe ich einen Vertrag für ein Jahr, meine Probezeit läuft Ende Mai aus. Seit einem Monat wohne ich nicht mehr in der Wohnunterkunft. Weil ich einen Job nachweisen konnte, habe ich eine eigene Wohnung bekommen. Bei Zara bin ich oft als Übersetzer gefragt, weil ich viele Kollegen habe, die auch geflüchtet sind und weil ich ganz gut Arabisch und Englisch spreche. Ich habe auch schon in einer Flüchtlingsunterkunft als Übersetzer gearbeitet.

Was mir am meisten gefallen hat
„Über Michael bin ich ins Leben gekommen“. Er hat mich bei vielen meiner Fragen unterstützt und mit mir Angebote gesucht. Inzwischen habe ich auch Kontakt zu anderen. Leider fehlen mir noch mehr Möglichkeiten, Deutsch zu sprechen, da bei meiner Arbeit viele Migranten arbeiten, die nicht richtig Deutsch sprechen können. „Aber im Moment bin ich glücklich“.

Was ich mir für meine berufliche Zukunft wünsche
Ich würde gerne Zugführer werden und ich möchte gerne anderen Flüchtlingen helfen. Ich will jetzt noch ein Jahr arbeiten und noch besser Deutsch lernen und dann vielleicht eine Ausbildung zur Fachkraft im Fahrdienst beim Hamburger Ausbildungszentrum HAZ machen.